Romys Traumsprint  (oder: Hochspannung auf der Rennbahn)

Wer kein großes Tamtam, keinen Livestream und keine Dauerbeschallung braucht, sondern das reine, ursprüngliche Laufen liebt, der ist beim traditionellen Gazellen-Meeting in Königsbach-Stein bestens aufgehoben. Auch strahlt die Anlage „Am Plötzer“ stets eine chillige Stimmung auf die Zuschauer aus. Im Gegensatz zum letzten Jahr fand der Wettkampf diesmal aber nicht zu Beginn der Sommerferien statt, sondern noch mitten im Wettkampfjahr. Zusammen mit mehreren ausgefallenen Wettbewerben, die wie die Süddeutsche-U20-Meisterschaft den Temperaturen zum Opfer gefallen waren, sorgte das gleich für eine Verdopplung der Teilnehmerzahl. Außerdem waren etliche sehr leistungsstarke Leichtathleten in die Gemeinde zwischen Kraichgau und Nordschwarzwald gereist. Selbst aus Hamburg und Dresden hatten Läufer gemeldet.

Formtest vor der Deutschen Meisterschaft

Von unserem Gerlinger Runningteam schnürten 15 Athletinnen und Athleten die Spikes, um sich mit ihren Rivalen zu messen. Pauline Holder hatte eine neue Bestzeit über 300 m Hürden angepeilt. Und obwohl hier die Konkurrenz zu wünschen übrig ließ, konnte sie von vorneweg quasi im Alleingang an ihre Grenzen gehen und die 50-Sekunden-Marke unterbieten. Fast ohne Pause musste sie dann den 100-Meter-Sprint bewältigen. Trotz der enormen Vorbelastung blieb sie hier gerade mal elf Hundertstel über ihrer Bestzeit – ein gutes Omen für die Deutsche Meisterschaft nächste Woche, wo sie mit ihren Teamkolleginnen in Wattenscheid die Staffel laufen wird. Leonie und Katja Niko, die ihren Zeitlauf gewann, zeigten ebenfalls tolle Rennen und hätten um ein Haar neue Spitzenzeiten erreicht.

Unsere Männer-Sprinter Anes Sirag und José Amaioua konnten sich genauso gut behaupten, beide landeten weiter vorne als anhand der Setzliste zu erwarten war. Anes schaffte sogar eine neue persönliche Bestzeit mit 11,50 Sekunden!

Jule Fecker läuft herausragend

Eine hervorragende Leistung zeigte auch Chefcoach Ralph Sagasser, der als Erfahrenster im Feld vielen jüngeren Läufern die Hacken zeigte und nah an seine PB heranlief.

Im ersten 800-Meter-Lauf der Mädels war Jule Fecker – mal wieder die Jüngste im Bunde – überhaupt nicht aufzuhalten. Sie sauste der Konkurrenz auf und davon und bestätigte damit ihre überragende Vorstellung vom vereinsinternen Wettkampf letzte Woche. Obwohl sie diesmal das Rennen von vorn gestalten und mutterseelenallein laufen musste, verbesserte sie ihre persönliche Bestzeit um satte fünf Sekunden! Im schnelleren Zeitlauf schrammte dann Amalia Schlegel nur hauchzart an einem neuen Rekord vorbei, während Anna-Lena und Katharina Wendling gewohnt solide Leistungen ablieferten.

Romy Schäfer holt sich Landeskaderquali

Den emotionalen Höhepunkt des Abends erzeugte Romy Schäfer. Bei geplanter Bestzeit von erstmals unter sieben Minuten über die 2.000 Meter lief sie 1.900 Meter den Zielzeiten ständig hinterher. Auf der Zielgeraden, mit der Uhr fest im Blick, brannte sie dann einen Sprint auf die Bahn, dass es das ganze Stadion förmlich von den Sitzen riss und alle die verrinnenden Sekunden am liebsten persönlich mit der Hand aufgehalten hätten. Fast über ihre Kräfte gehend schaffte es Romy dann aber tatsächlich noch, die Zielmarke zu unterbieten!Alicia Wettstein kam zwar nicht ganz an ihre Bestzeit heran, zeigte aber ebenfalls eine tolle Vorstellung und holte sich Platz 2 in der U14.

Alice Klaus machte eine runde Sache aus ihrem 1.500-Meter-Lauf und ließ die Uhr exakt bei fünf Minuten stehen. Ihr Lohn war der zweite Platz insgesamt und Gold in ihrer Altersklasse. Klaus Angerer wiederum, der normalerweise nur über längere Strecken startet, düpierte ohne Meldezeit die gesamte Konkurrenz und holte sich mit satten sieben Sekunden Vorsprung den Gesamtsieg.

Diana Joiner hatte es über die 3.000 Meter unter anderem mit zwei der besten U20-Läuferinnen Deutschlands zu tun. In diesem hochklassigen Feld einen vierten (!) Platz zu erringen (und nebenbei – natürlich – die eigene Altersklasse zu gewinnen), das war schon aller Ehren wert!

Unter dem Strich wieder mal ein sehr schöner Wettkampf, mit Siegen, Bestzeiten und echter Dramatik. Da macht es auch als Zuschauer richtig Spaß, dabei zu sein!

Jule Fecker
Katharina Wendling und Amalia Schlegel
Diana Joiner